Zu «70 000 Franken Sozialhilfe unrechtmässig bezogen»
Ausgabe vom 7. September

In dem Artikel war zu lesen, dass das Bezirksgericht Winterthur einen Sozialhilfebetrüger verurteilt hat, der mehrere Zehntausend Franken an Steuergeldern zu Unrecht bezogen hat. Möglich würde dieser unrechtmässige Bezug an Sozialhilfe nicht zuletzt dank der offenbar haarsträubenden Zustände im Sozialdepartement von Stadtrat Galladé. Dem Sozialamt wurden Fotos des betreffenden Sozialhilfebezügers zugespielt, welche ihn beim Arbeiten zeigten – trotz bescheinigter 100-prozentiger Arbeitsunfähigkeit. Das Sozialamt begnügte sich bei den nachfolgenden Abklärungen mit der schriftlichen Zusicherung des Leistungsbezügers, dass er keiner bezahlten Arbeit nachgehe. Unerheblich erschien den Sozialen Diensten dabei offenbar die Tatsache, dass es aus medizinischer Sicht keine Rolle spielt, ob jemand Geld für seine Arbeit bekommt. Relevant für diese Beurteilung ist doch einzig und alleine, ob jemand arbeiten kann. Diesen Tatsachenbeweis hat die betreffende Person eindeutig geliefert. Trotzdem ergriff das Sozialamt keinerlei Massnahmen, stellte die Leistungen nicht ein und sah sich nicht einmal in der Lage, weitere Abklärungen vorzunehmen. Wegschauen und ignorieren scheint das von oben vorgegebene Motto im Sozialdepartement zu sein – weil nicht sein kann, was nicht sein darf!

Markus Reinhard, Winterthur

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Leider ist es nicht der erste Fall, der in der Zeitung publiziert wurde. Vielleicht kommen noch weitere Betrugsfälle zum Vorschein? Es ist ja schon unglaublich, dass jemand über Jahre unrechtmässig Sozialleistungen bezieht, ohne vorher genau abzuklären, ob er berechtigt dazu ist. Dieter Wirth, der Leiter der Sozialen Dienste in Winterthur, äusserte sich dazu wie folgt: «Im vorliegenden Fall ist alles korrekt nach internen Vorgaben abgelaufen. »Diese Ansicht teile ich überhaupt nicht, weil Abklärungen versäumt wurden. Nicht nur bei den zahlreichen Arztzeugnissen (100-prozentige Arbeitsunfähigkeit), sondern spätestens beim Foto, das den Mann beim Arbeiten zeigte, hätte das Sozialamt sofort reagieren sollen. Dass dieser Mann weiterhin Sozialleistungen in Höhe von 720 Franken erhält, ist ungerecht gegenüber denen, die ehrlich sind. Mir persönlich sind etliche Personen bekannt, die ihr Geld sauer verdienen müssen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Aber genau diesen Leuten fehlt der Mut, um beim Sozialamt vorstellig zu werden. Man verzichtet auf Ferien, spart bei den Lebensmitteln und geht nicht zum Arzt. Um Betrügereien in Zukunft zu vermeiden, wäre es dringend nötig, wenn man die Kontrolle im Sozialamt verstärken würde.

Agnes Mattle, Winterthur