Dieser Tage flatterte Post von Stadtwerk Winterthur in meinen Briefkasten. Inhalt: Als «Kunde» erhalte ich ab 2020 zwangsweise aufgrund eines entsprechenden Entscheides des Stadtrates keinen Kernstrom mehr und müsse nun ein anderes, grundsätzlich viel teureres Stromprodukt auswählen. Wenn ich dies nicht tue, dann werde man mir automatisch das noch teurere Stromprodukt «Bronze» verrechnen.

An diesem Vorgehen stören mich mehrere Punkte. Erstens bin ich Zwangs-Kunde von Stadtwerk Winterthur und kann mich daher nicht gegen diese Planwirtschaft und Einschränkung meiner Entscheidungsfreiheit zur Wehr setzen und mir beispielsweise einen neuen Stromlieferanten suchen. Stadtwerk nutzt so die monopolistische Marktstellung aus und hat dann noch den Nerv mich als «Kunden» zu bezeichnen.

Zweitens ist dieses Vorgehen nichts anderes als eine versteckte Preis- oder Gebührenerhöhung, welche im Schreiben frecherweise auch noch mit einer intransparenten Berechnung verschleiert wird.

Drittens ist der Entscheid des Stadtrates aus «Umwelt- und Klimaschutzgründen» keinen Kernstrom mehr zu liefern, fachlich schlicht falsch und rein politisch motiviert. Die Schweizer KKW sind am Netz und produzieren einheimischen Strom, welcher massiv weniger Treibhausgasemissionen (CO2-Äquivaltente pro produzierter Kilowattstunde) verursacht als, die als «grün gelobten, erneuerbaren Energien.

Wir produzieren in der Schweiz also neuerdings Strom, welchen ich als Einwohner nicht mehr kaufen kann. Was geschieht den nun mit dem vorhandenen Strom aus unseren Kernkraftwerken? Zumindest ein Teil des Kernstromes wird zum erneuten Hochpumpen des Wassers in die Pumpspeicherkraftwerke verwendet und wird in der Folge erneut zu Strom, dieses Mal einfach nicht mehr zu Strom aus Kernkraftwerken, sondern zu «sauberem» Strom aus Wasserkraft.

Der Strom wird also «weiss gewaschen» und dann einfach teurer als Strom aus Wasserkraft verkauft. Das ist eigentlich ein Etikettenschwindel erster Güte.

Da aber nach wie vor rund 15% der Stadtwerk-Kunden Kernstrom beziehen und offenbar nicht gewillt sind, freiwillig ein anderes Stromprodukt zu kaufen, musste der Stadtrat – mit der Unterstützung grosser Teile des Gemeinderates – nun zu planwirtschaftlichen Massnahmen greifen und diese störrischen Kunden zwangsweise umerziehen. Dass mit diesen Öko-Zwangsmassnahmen der gleiche Strom, zu Lasten der Bürgerinnen und Bürger, auch noch teurer verkauft werden kann, ist für unsere Stadtregierung sicher ein angenehmer Nebeneffekt.

Markus Reinhard, Gemeinderat SVP