Die Abstimmung über das Verhüllungsverbot haben wir gewonnen und das freut mich sehr. Argumente dafür gab es genügend, sei es die Vermummung von Chaoten, sei es das klare Statement gegen den radikalen Islam oder das sehr wichtige Zeichen gegen die Unterdrückung der Frau im Islam. Das Volk hat seine klare Meinung geäussert: Solche Dinge wollen wir in der Schweiz nicht!

Konsequenterweise müssen wir nun aber auch vor unserer eigenen Türe kehren, denn begründet auf unserer christlichen Religion werden durchaus auch Frauen unterdrückt und herabgesetzt. Selbstverständlich ist es wie beim Islam, es kommt sehr auf die Auslegung und die fundamentalistische Ausprägung an.

Sehen Sie, ich glaube an unseren Gott. Aber ich glaube an einen gütigen und lieben Gott und nicht an einen drohenden und strafenden. Also an einen Gott, der ohne Angstmacherei und Unterdrückung auskommt. An einen Gott, der kein Bodenpersonal braucht, welches in seinem Namen manipuliert, Macht ausübt und die Heilige Schrift für die eigenen Interessen auslegt. Doch genau solches geschieht in vielen fundamentalistischen Freikirchen und Organisationen oder wird dort zumindest von einzelnen Exponenten vorgelebt. Diese Exponenten leben damit eine völlig verfehlte, irrige, ja beinahe pervertierte Bibelauslegung, und agieren gezielt mit Angst und Macht. So sind dort durchaus auch Haltungen wie «Die Frau ist dem Manne Untertan» oder die «Frau ist Eigentum (Besitz) des Mannes, da sie ihm von Gott geschenkt wurde» ernst gemeinte Grundsätze.

Das sollte uns Warnsignal genug sein. Inhaltlich sind diese Kreise bzw. Exponenten somit kaum von radikalen Moslems zu unterscheiden. Der Unterschied ist, dass wir hier geflissentlich wegschauen, denn es geht ja um den «eigenen» Glauben. Wir messen also mit zwei Ellen getreu dem Grundsatz: Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe. Dies ist unter den Gesichtspunkten unserer freiheitlichen Einstellung und den Argumenten, welche wir für das Verhüllungsverbot verwendet haben, eine doch fragwürdige Haltung.

Als Partei von Freiheit und Sicherheit müssten wir uns klar gegen solche Tendenzen – egal aus welcher Ecke sie kommen – konsequent einsetzen, denn mit Freiheit und Sicherheit hat so etwas nichts mehr zu tun. Solche Haltungen widersprechen der Bundesverfassung unseres Landes und sie stehen auch im Widerspruch zu unserem Parteiprogramm. Dieses will eindeutig die «Gleichberechtigung in der Beziehung zwischen Mann und Frau» und zur Religionsfreiheit steht da: «Zur Schweiz gehört aber auch die Religions- und Glaubensfreiheit, solange diese nicht im Widerspruch stehen zu den schweizerischen Werten, die unser Staatsverständnis und unsere Rechtsordnung prägen.»

Alles klar oder sind wir doch inkonsequent?

 

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