Im Jahr 2021 sollte es keine Frage mehr sein, ob gleichgeschlechtliche Paare heiraten und eine Familie gründen dürfen. Es gibt kein einziges akzeptables Argument und keinen Grund dafür, dass wir anderen Menschen – auch wenn sie eine andere Sexualität leben – die Liebe, den rechtlichen Stand der Ehe und eine Familie verbieten können und dürfen.

Wie kommen wir dazu, uns zu erlauben, zu definieren und festzulegen, welche Lebensart denn die Richtige ist und welche dazu berechtigt, eine Ehe einzugehen? Dieser Haltung liegen aus meiner Sicht höchst fragwürdige Denkweisen zu Grunde, so zum Beispiel, dass Homosexualität eine Sünde, eine Krankheit, eine geistige Verirrung oder unnatürlich ist. Anders kann man sich diese Wertung und Verweigerung eines selbstbestimmten und freien Lebens gar nicht erklären. Solche abwertenden Begründungen sind inakzeptabel und gehören zurück ins Mittelalter. Die Ehe ist – wertneutral und basierend auf unseren Gesetzen gesehen – lediglich ein frei gewählter Vertrag zwischen zwei Menschen, nicht mehr und nicht weniger. Jegliche weitere Interpretation ist in der Regel religiöser Natur und hat in einem säkularen Staat nichts verloren. Wenn wir homosexuellen Menschen den Vertrag der Ehe vorenthalten, dann müssten wir Ihnen konsequenterweise auch Kaufverträge und Mietverträge untersagen. Seien wir ehrlich, mit der Verweigerung der Eheschliessung homosexueller Paare wollen gewisse Kreise etwas «retten» und «bewahren» was längst nicht mehr existiert. Die Scheidungszahlen zeigen doch unmissverständlich auf, dass das Konzept des «heiligen Bundes der Ehe» gescheitert ist und durch den gesellschaftlichen Wandel längst überholt wurde. Wieso soll man dann also irgendjemanden, der aus freiem Stück die Ehe mit einem Menschen eingehen will, diese Möglichkeit verweigern?

Für ganz viele Menschen, auch in unserer Partei, stimmen diese alten Definitionen schlicht nicht mehr, beziehungsweise haben an Bedeutung verloren. Aus der Ehe zwischen Mann und Frau in der heutigen Zeit eine gesellschaftliche und familiäre Stabilität ableiten zu wollen, ist sehr weit hergeholt und gehört eher ins Reich der Märchen, auch angesichts der Tatsache, dass bald jede zweite Ehe geschieden wird. Auch scheint mir kaum begründbar, wieso eine Ehe zwischen Mann und Frau (egal ob gut oder schlecht…) zu mehr gesellschaftlicher und familiärer Stabilität führen sollte, als eine Ehe zwischen zwei Männern oder Frauen, welche Ihren Aufgaben als Partner und Eltern ebenso oder vielleicht sogar besser als manches «klassisches Paar» nachkommen.

Bei allem Respekt, wir sind weder «Die Mitte», noch der Vatikan, noch der ICF. Wir sind die Partei von Freiheit und Sicherheit. Freiheit ist aber nicht nur die Abwesenheit von Zwang, sondern Freiheit ist auch das Recht und die Möglichkeit frei zu entscheiden und eine freie Lebensgestaltung zu wählen, ohne dass irgendjemand aus irgendwelchen Gründen Vorschriften dazu macht. Love is Love, Liebe ist Liebe und daher Ja zur Ehe für Alle.

 

 

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